Mein erstes Mal - Ärger mit der Polizei

Eigentlich mag ich Polizisten. Sie haben definitiv ihre Daseinsberechtigung. Ich denke, ich habe eher eine Abneigung gegen ihre Macht. Macht ist etwas, was leider auch negativ ausgenutzt wird.

 

Mein Ex hat sich immer darüber amüsiert, dass ich beim Anblick eines Polizeiwagens leicht zusammenzuckte und „Scheiße, die Bullen“ stöhnte. Diese Reaktion war ein Überbleibsel aus meiner Langhaarigen-Bombenleger-Zeit, als meine Freunde und ich gerne mal eine Sportzigarette drehten und das Auto mit seinen Rauchschwaden jede Discotheken-Nebelmaschine vor Neid erblassen ließ. Mittlerweile habe ich meine Phobie auch ohne Hilfe eines Therapeuten in den Griff gekriegt. Tja, eventuell hat sich das ab heute wieder geändert...

 

Stell Dir vor, Du bist eine (fast) alleinstehende Mutter, die seit kurzem in Teilzeit arbeitet und in die große Stadt eine Stunde hin und eine Stunde zurück pendelt. Dein jüngstes Kind, was noch zum Kindergarten geht, hast Du zum Glück von einer befreundeten Mutter abholen und betreuen lassen, da der Kindergarten schon seit zwanzig Minuten geschlossen hat, wenn Du aus der Bahn steigst. Du bist schon in der Bahn eingedöst, weil Du an Schlafmangel leidest. Weil Du nicht wie der letzte Schlunz im Büro auftauchen wolltest, hast Du hochhackige Schuhe gewählt. Jetzt graust Dir davor, dass Du einen doppelt so langen Weg laufen musst, um Dein Kind ab zu holen. Also beschließt Du, direkt nach Hause zu gehen, Dir den Kinderfahrradhelm zu schnappen und mit dem Fahrrad die restliche Strecke zu bewältigen. Da Dein Kind schon zu groß ist, hast Du keinen Kindersitz mehr, kannst ja aber auch kein Kinderfahrrad AUF Deinem Fahrrad transportieren. Du erinnerst Dich an Deine Zeit als Kind und schwelgst in dem schönen Gefühl, als Du noch hinten auf dem Gepäckträger bei Mama/Papa/Freund/Freundin mitgefahren bist.

Es ist ja auch nur eine ganz kurze Strecke, die Du zurücklegen musst. Das wird schon nicht so schlimm sein.

 

Du kommst bei der Freundin an, setzt ein glückliches Kind hinten auf den Gepäckträger und düst los. (Ich habe es gerade gegoogelt: Es sind genau 700 Meter) Nach 450 Metern kommt Dir ein Polizeiwagen entgegen. Er hält neben Dir an. „Sie dürfen das Kind so nicht transportieren. Unterlassen Sie das!“ (War ein etwas längerer Sermon, will euch aber nicht mit dem Beamtendeutsch langweilen, kennt eh jeder)

Du antwortest „Ja, mache ich.“ Sie fahren weiter und Du bist so kaputt und gestresst (hoffentlich dauert die Essenszubereitung nicht zu lange, ich habe wahnsinnigen Hunger!), dass Du auch wieder auf das Fahrrad aufsteigst und die restlichen 250 Meter noch schnell mit dem Fahrrad bewältigen willst. Irgendwie kriegst Du mit, wie die Polizei hinter Dir wendet und Dir nach fährt. Sie hält Dich wieder an. Der älteste der beiden Kollegen steigt aus, plustert sich mit gewichtiger Miene vor Dir auf und sagt „Was von Unterlassen haben Sie nicht verstanden?“ Du bist völlig überfordert und denkst „WTF, als Kind bin ich doch ständig hinten auf dem Gepäckträger mit gefahren?“ stattdessen entfährt Dir nur ein genuscheltes „Ich wohn da vorne“ (zeigst auf Dein Haus) „Wollte nur den Rest fahren und dann nie wieder in meinem Leben mein Kind hinten auf dem Gepäckträger mitnehmen.“

(Äh, warum eigentlich nicht? Ist das nicht meine Verantwortung? Meinem Kind könnte auch ein Baumzweig auf dem Weg zur Schule auf den Kopf fallen, darf es jetzt nicht mehr vor die Tür gehen?)

An dieser Stelle muss ich bedauern, dass die Polizisten nicht mehr grün tragen. Grün beruhigt so schön.

 

Polizist „Geben Sie mir jetzt ihre Personalien!“

Du: „Habe ich leider nicht dabei. Aber ich wohne da vorne. Wir können schnell zu mir gehen und ich gebe sie Ihnen“

Polizist: „Nein! Sagen Sie mir jetzt Ihren Namen, Adresse und Geburtsdatum und Geburtsort!“

Er trägt sogar stoisch den Namen der schwedischen Stadt ein, in der Du geboren wurdest. Nach langem und mühseligem Buchstabieren.

Währenddessen hat Deine Tochter ihre Schwester auf der anderen Straßenseite gesehen. Sie laufen aufeinander zu, großes Hallo und dann großes Entsetzen. Deine kleinste Tochter erzählt Dir später, dass sie Angst hatte, dass ihre Mutter jetzt ins Gefängnis muss und sie vielleicht nie wieder sieht.

 

Der Junge Polizist klärt Dich noch mal darüber auf, warum man kein Kind auf den Gepäckträger transportieren darf. Es gibt anscheinend Anhänger für größere Kinder zu kaufen. Du als Mutter kannst nämlich überhaupt nicht einschätzen, ob Dein Kind alt und klug genug ist, dass es seine Füße in die Speichen steckt oder nicht. Und sollte es das doch tun, bist Du dafür verantwortlich, dass die Polizei ausrücken muss und ein Protokoll anfertigen muss. Nicht zu reden von den horrenden Krankenhaus-Kosten. Davor will Dich Vater Staat unbedingt schützen! Er will nur das Beste für Dich. Und nur ER weiß, was das Beste für Dich ist. Du musst gar nicht mehr Dein Leben selber bestimmen! Ist das nicht HERRlich?!

 

Ich hoffe, ihr verzeiht mir, dass ich zu diesem Blog-Eintrag kein eigenes Foto von dem Happening beisteuern kann. Mir kam es etwas fehl am Platze vor, die zwei Polizisten um ein Posing zu bitten.

 

Am Nachmittag genoss ich das schöne Wetter beim Joggen während die Kinder Fahrrad fuhren. Da kreuzte ein alter Opa die Strasse mit seinem Rollator und auf dem Rollator saß seine kleine Enkeltochter. Sie fiel fast ab als er versuchte, über den Bordstein zu kommen. Ich hätte eigentlich sofort die Polizei alarmieren sollen. Das Kind hätte sich ja den Fuß brechen können! Die wären bestimmt sofort ausgerückt...

 

Aber wie ihr wisst, bin ich eine Glückskünstlerin und deshalb bin ich Kling und Klang ganz dankbar. Wären sie nicht gewesen, hätte ich keinen interessanten Blog-Post diese Woche gehabt.

 

Ach ja, bei meiner Jogging-Runde fiel mir dann doch noch ein zum Thema passendes Motiv auf: 

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Kommentare: 5
  • #1

    Andrea (Donnerstag, 24 April 2014 20:18)

    Wie schön, dass du auch Positives in dem Erlebten sehen kannst!
    ;-)

  • #2

    Tiffany (Donnerstag, 24 April 2014 20:19)

    Irgendwie aber auch amüsant zu lesen :D. Du musst heut Abend erstmal richtig Tanzen!

  • #3

    Isabella (Donnerstag, 24 April 2014 20:57)

    Danke, ihr Lieben!
    Mein Leben ist das, was ich davon denke.
    Und Tanzen ist eine hervorragende Idee ;-)
    Wünsche euch das Allerbeste
    Isabella

  • #4

    Anita (Donnerstag, 24 April 2014 21:13)

    Die Vorstellung mit Kling und Klang finde ich schon super!!! Die kümmern sich doch mal um wirklich wichtige Dinge...Unglaublich!

  • #5

    Mamma (Samstag, 26 April 2014 19:58)

    Sötnos!

Isabella Rose

isabella(at)heildenken.de

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